Chronik (1870-1995)

Online Version der Geschäfts-Chronik ( 1870 – 1995 )

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Herausgegeben anläßlich des 125-jährigen Jubiläums
der Firma Th. Trennt in Kiel am 17. Juni 1995

Bleistiftzeichnung: Brigitta Borchert

Portraitzeichnungen: Ernst-Ludwig Hanss

Fotos: Th. Trennt, Fotograf Renard, Stadtarchiv Kiel

Text, Layout und Druck: Th. Trennt

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Seit 125 Jahren befindet sich die Firma Th. Trennt im Familienbesitz  –  von der Gründung des Deutschen Reiches bis zum wiedervereinten Deutschland. Dazwischen liegen tief einschneidende Ereignisse wie die beiden Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise mit Millionen von Arbeitslosen.

Die Vorfahren der Familie Trennt sind bereits seit 1711 in den Bürgerbüchern der Stadt Kiel verzeichnet. Im Jahre 1854 wird mit Johann Paul Heinrich Trennt erstmalig ein Cigarrenmacher erwähnt, der am 1. Juli 1866 eine Cigarrenfabrik und -handlung in der Schumacherstraße Nr. 25 und Nr. 35 in Kiel gründete. Bis zu seinem Tode im Jahre 1906 war die Firma im Handelsregister eingetragen. Sein jüngster Bruder, der am 3. Juli 1844 in Kiel geborene Theodor Heinrich Trennt, erlernte bei ihm ebenfalls dieses Handwerk. Angeregt durch den steigenden Cigarrenabsatz wagte er alsbald den Schritt in die Selbständigkeit und eröffnete am 17. Juni 1870 in der Brunswiker Straße Nr. 3 eine eigene Cigarrenhandlung mit Fabrikation. Damit bewies er großen Mut und Vorausschau, zumal es das erste Geschäft in diesem Straßenzug war.

Ein Foto aus dem Jahre 1897 (Abb. S. 1), das im Eingang des heutigen Geschäftes die Blicke vorübergehender Passanten auf sich zieht, zeigt den Firmengründer vor der Eingangstür des ersten Geschäftes in der Brunswiker Straße Nr. 3.

Die Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte beschreibt in ihren Berichten den Stadtteil Brunswik als aufstrebend und rasch wachsend. Auf den angrenzenden Hügeln wurde im Jahre 1863 mit dem Bau der „Akademischen Heilanstalten“, dem heutigen Universitäts-Klinikum begonnen. Am 25. Oktober 1876 weihte der Rektor und Theologie-Professor Dr. Bernhard Weiß das nach drei-jähriger Bauzeit fertiggestellte Hauptgebäude der Universität ein. Die Baumeister dieses stattlichen Hauses, welches genau gegenüber der Firma Th. Trennt lag, waren Professor Gropius und Architekt Schmieden. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entstand dort ein geschlossenes Universitätsviertel. In unmittelbarer Nähe gründete Dr. Johann-Hermann Lubinus 1895 seine „Anstalt für Heilgymnastik und Orthopädie mit Massage“.

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Universitäts-Gebäude in Kiel erbaut 1873 – 1876 durch Gropius und Schmieden

Mit der Erhebung Kiels zum Reichskriegshafen im Jahre 1871 änderten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend: Die Marine stellte hohe Anforderungen an die Werften und Industrie, das Handwerk und den Handel. Damit begann der Aufstieg Kiels zur Großstadt.

Die Brunswiker Straße war in den folgenden Jahren eine beliebte Verbindung zwischen den neu entstandenen Wohngebieten im Norden Kiels und der Innenstadt, der Universität, sowie den beiden im Bereich des heutigen Oslokais liegenden Marinebrücken. Hier erwarteten Barkassen die Angehörigen der Marine und Werften, um sie zu den Schiffen und Dienststellen auf dem Ostufer zu bringen.

„Beamte, Lehrer, Professoren, Kaufleute und Gewerbetreibende siedeln sich teils um den Kleinen Kiel, teils in der Brunswik an“ heißt es in einer zeitgenössischen Beschreibung. Für den Handel waren das erfolgversprechende Voraussetzungen und so verlief auch die Entwicklung der 1887 in das Handelsregister eingetragenen Firma Th. Trennt sehr positiv. Neben Cigarren wurden Orientzigaretten direkt aus Kairo importiert. Allerdings trafen die Lieferungen selten im bestellten Umfang ein.

Damals durften die Verkaufspreise – im Gegensatz zum heutigen preisgebundenen System – frei kalkuliert werden. Dies machte den Handel mit Importwaren so lukrativ.

Im Laufe der Zeit  entwickelte sich bei der Firma Th. Trennt neben dem Verkauf im Ladengeschäft ein umfangreicher Versand in deutsche Kolonien und Auslandsvertretungen: Die Reichsmarine, deren Kriegsschiffe von Kiel aus alle Kontinente anliefen, bestellte Tabakwaren für die Offiziersmessen. Während der Honneurs der Konsuln und Angestellten der deutschen Vertretungen an Bord wurden Cigarren aus dem Hause Th. Trennt angeboten. Die ausgezeichnete Qualität blieb in bester Erinnerung und man veranlaßte, in Zukunft bei Trennt zu ordern. Wegen der langen Transportdauer mußten die zumeist in Cedernholz verpackten Cigarren vor dem Austrocknen geschützt werden. Daher wurden die Kisten in Pergament und Silberfolie eingewickelt und anschließend in Sackleinen eingenäht.

Nach Einführung der Tabaksteuer im Jahre 1906 war die Firma Th. Trennt gezwungen, ein Zoll-Freilager zu unterhalten.

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Im Jahre 1899 wurde der Sohn Andreas Trennt im Alter von 27 Jahren Mitgesellschafter. Ungefähr in diese Zeit fiel die Schließung der eigenen Cigarrenfabrik. Darüber liegen leider keine detaillierten Angaben vor. Bis etwa 1918 waren neben den Inhabern vier Angestellte tätig; außerdem ein Laufjunge, der auch Waren zur geschätzten Kundschaft brachte. Ein Offizier durfte damals nicht das kleinste Päckchen mitnehmen; eine Hand umfaßte den Säbel, die andere Hand mußte frei bleiben zum Gruß.

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Fassade des Geschäftes 1904

1903 war es möglich, das Nachbarhaus Nr. 5 zu kaufen und dort ein neues, modernes Geschäft sowie für die Familie eine Wohnung einzurichten. Die Verkaufsräume waren vorbildlich. Über den beiden hohen Schaufenstern glänzte der Firmenname und der Zusatz ‘Cigarren-Import’ in Messingbuchstaben. Aus Holz gearbeitete, stilisierte Säulen rahmten die Schaufensterfront. Den Tresen im vier Meter hohen Verkaufsraum zierte eine Vitrine für importierte Zigaretten und eine handbediente Anker-Kasse. Zwei ständig brennende Gasflammen boten dem Cigarrenraucher Feuer an. Auf Regalen und in Vitrinen präsentierten sich die Waren. Vier Stufen führten zum Kontor, das durch eine bleiverglaste Tür vom Verkaufsraum abgeschirmt wurde. Dort befanden sich unter anderem zwei lange Stehpulte sowie Spezialschränke zum Lagern von Cigarren  und  Zigaretten. Das elegante Privatkontor im hinteren

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Theodor Trennt mit einem Angestellten 1904

Bereich war den Firmeninhabern vorbehalten. Zur schnelleren Abwicklung der gesamten Korrespondenz erwarb man später eine Schreibmaschine mit doppelter Tastatur.

Admiral Graf Spee zahlte einmal mit einem besonders wertvollen Goldstück, das über Jahre als Talismann behütet und in Ehren gehalten wurde. In den Trümmern des im zweiten Weltkrieg ausgebombten Geschäftes ging es leider verloren.

Am 22. Juli 1905 starb der Gründer der Firma, und sein Sohn, Andreas Trennt, wurde alleiniger Inhaber. Der Handelsregistereintrag lautete damit: Th. Trennt, Zigarren-Import und -Export, Tabakhandlung und Raucher-Artikel.

Bis zum ersten Weltkrieg siedelten sich weitere Geschäfte in der Brunswiker Straße und dem zur Innenstadt führenden Schloßgarten an. Die heute noch bekannten Buchhandlungen Cordes, Mühlau und Lipsius & Tischer, Uniformschneiderei Lafrenz & Kroll, Textilgeschäfte Witte, Roprecht und Jansen, Photographen Renard und Ferdinand Urbahns. Der Drogist Rudolf Walter belieferte Kliniken und Photographen mit Chemikalien. Unterhaltung und Wohlbefinden boten an: Die „Hoffnung“ mit Café und Tanztee, Petzolds „Likörstuben“ und das exclusive „Tusculum“.

Im August 1914 erhielt Andreas Trennt den Einberufungsbefehl zum Landsturm. Sein Schwiegervater, Heinrich Frinken, ein würdiger alter Herr mit Vollbart, vertrat ihn während dieser Zeit.

Sämtliche Waren wurden knapper und auch für Cigarren und Tabak mußte man anstehen. Der spätere Inhaber, Karl-Heinrich Trennt, damals noch Kind, erinnerte sich daran, daß er von einem der Wartenden gefragt wurde, ob er sich nicht auch für ihn anstellen wolle. Und auch dieses war ihm gut im Gedächtnis geblieben: „In der Schule sollte ich wegen eines kleinen Vergehens von meinem Lehrer, Herrn Laß, ‘eine hinter die Ohren’ bekommen. Um die Strafe vielleicht noch abwehren zu können, rutschte mir heraus, daß er dann keinen Tabak mehr bekäme.“

Nach dem ersten Weltkrieg fiel die Kriegsmarine als Motor der Wirtschaft aus. Durch Reduzierung der Garnisonen und Marineverwaltungen verringerten sich die Einwohnerzahlen; infolgedessen verschlechterte sich die Lage des Handels.

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Nachtaufnahme

Theodor Trennt, der älteste Sohn des Firmeninhabers und damit als Nachfolger auserkoren, erlernte nach einer kaufmännischen Ausbildung das Handwerk der Cigarrenherstellung bei der Cigarrenfabrik Paul Hänsel. Ab 1924 arbeitete er bei seinem Vater, mußte sich aber Ende der zwanziger Jahre wegen der prekären wirtschaftlichen Situation beruflich neu orientieren, da der Ertrag des Geschäftes nicht für zwei Familien reichte.

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Andreas und Karl-Heinrich Trennt im Eingang des Geschäftes um 1930

Der jüngere Bruder, Karl-Heinrich Trennt, begann am 1. April 1925 nach dem „Einjährigen“ auf der Privatschule Dr. Hinrichsen eine kaufmännische Lehre bei Geisler & Niemann in Kiel. Ein Jahr nach dem Abschluß wechselte er zur EDUR-Pumpenfabrik. Auch dieser Betrieb wurde zum Einsparen von Personal gezwungen und Karl‑Heinrich Trennt mußte seinen Arbeitsplatz räumen. Im Jahre 1932 begann er, im väterlichen Geschäft zu arbeiten. Schon nach kurzer Zeit überzeugten sowohl sein kaufmännisches Geschick als auch sein Umgang mit den Kunden.

Der Aufbau von Marine und Rüstung garantierte eine gute Beschäftigungslage und gab dem Handel neue Impulse. Alte Traditionen lebten auf; damit gehörten gute Cigarren zum gesellschaftlichen Leben einfach wieder dazu.

Am 1. April 1940 mußte Karl-Heinrich Trennt den Wehrdienst antreten. Nach der Ausbildung in Kiel erhielt er den Gestellungsbefehl zur Kriegsmarine nach Trondheim in Norwegen. 1942 wurde er zur Bildungsinspektion Stralsund abkommandiert und kam später zur Infanterie in die Armee des General Wenk zur Verteidigung der Stadt Berlin.

Während dieser Zeit führte seine Frau, Marianne Trennt, das Geschäft, wobei ihr der Schwiegervater bis zu seinem Tode am 1. Mai 1944 mit Rat und Tat zur Seite stand.

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Schaufensterdekoration im November 1940

Bedingt durch den Krieg wurde es immer schwieriger, Cigarren, Tabak und Zigaretten zu beschaffen. Gleichwohl blieb die Nachfrage konstant und es bedurfte besonderen Geschicks, die vorhandene Ware gerecht zu verteilen. Zahlreiche, noch heute vorhandene Briefe und Dankschreiben an Marianne Trennt zeugen davon, daß sie Soldaten und Offiziere auch an der Front mit den begehrten Tabakwaren versorgte.

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Die Häuser der unteren Brunswiker Straße nach der Zerstörung im Januar 1944

Bereits am 2. Juli 1940 erlebte die Stadt Kiel wegen der herausragenden militärischen Bedeutung als Reichskriegshafen und Rüstungsschmiede den ersten Großangriff der Alliierten. Im Januar 1944 fielen auch in der unteren Brunswiker Straße Bomben und zerstörten das Wohn- und Geschäftshaus der Firma Th. Trennt. Unter Einsatz des Lebens versuchte man zu retten, was noch brauchbar war. Von dem schönen, traditionsreichen Geschäft blieben jedoch nur wenige Erinnerungsstücke übrig.

In der Wohnung, Tirpitzstraße 87, der heutigen Feldstraße, hielt Marianne Trennt das Geschäft in kleinem Umfang aufrecht. Es sprach sich im weitgehend zerstörten Kiel schnell herum, wo es jetzt Cigarren, Zigaretten und Tabak von Trennt gab.

Neben vielen Zigarettenfirmen wie Reemtsma, Haus Bergmann, Rich. Greiling KG, Kyriazi Frères, Nestor Gianalis und Muratti finden wir in den Wareneingangsbüchern von 1941 bis 1948 auch die Namen alter, bekannter Zigarrenfabriken: Gebr. Bastert, Fried. Erhard, Paul Hänsel, Th. Heinecke, Kessing & Thiele, G. Klevenhusen, Paul Lungwitz, Th. Schmidt, Niemann & Tintelnot, Rinn & Cloos AG, Schwering & Hasse und Villiger Söhne.

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Nach kurzer russischer Kriegsgefangenschaft wurde Karl‑Heinrich Trennt am 25. Juli 1945 aus dem Lager entlassen. Obwohl er völlig entkräftet war, hatte er nur den einen Gedanken, die Firma wieder aufzubauen. Seine Frau wollte er lieber bei den Kindern und am Herd sehen. Das Geschäft sowie Gespräche und Diskussionen mit den Kunden sollten ihm vorbehalten sein.

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Von 1945 bis 1950 als Untermieter bei der Buchhandlung Wolf

Im nicht völlig zerstörten Nachbarhaus erhielt er von der Buchhandlung Wolf ein paar Quadratmeter als Verkaufsfläche und ein kleines Schaufenster. Ganz allmählich stieg der Umsatz. Bei Veranstaltungen in der Kieler Ostseehalle verkaufte er Zigaretten und Cigarren im „Bauchladen“.

Karl-Heinrich Trennt zählte sich keinesfalls zur Masse der Zigarettenverkäufer und brachte den Kunden sein Motto „Rauche, aber qualme nicht“ nahe. Wenn er überhaupt bereit war, eine Zigarettenpackung zu verkaufen, dann reichte er sie stets mit der bedeutsamen Bemerkung über den Ladentisch: „Sie sollten das Rauchen genießen und zum naturreinen Cigarillo oder zur Pfeife greifen.“

Nachdem die Trümmer beseitigt waren, wollte Karl-Heinrich Trennt wieder ein Wohn- und Geschäftshaus errichten und ließ vom Architekten Friedrich Fuchs konkrete Pläne erarbeiten.  Wegen einer

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Das Geschäft in der Ladenzeile Brunswiker Straße 5 vor der Eröffnung am 26.10.50

Bebauungsbeschränkung genehmigte die Stadt Kiel auf dem Grundstück der Firma Th. Trennt allerdings nur eine einfache ebenerdige Ladenzeile. Am 26. Oktober 1950 ging sein Traum von eigenen Geschäftsräumen in Erfüllung.

Als Mieter konnten daneben zwei ebenfalls alteingesessene Geschäfte aufgenommen werden: Grete Leptiens „Knusperhäuschen“ und die Kunsthandlung von Bertold Dorffmeister. Mit ihm teilte er in den ersten Jahren den Telefonanschluß: Den Apparat reichten sie sich durch eine Klappe in der Zwischenwand.

1953 veranstalteten die „Kieler Nachrichten“ einen Leserwettbewerb. Es sollten originelle Verse über Kieler Geschäfte gereimt werden. Für Th. Trennt wurde „Jeder Smöker hett sin Höker – de wat kennt, swört op Trennt“ prämiert und ist als geflügeltes Wort seitdem weit über Kiel hinaus bekannt.

Karl-Heinrich Trennt hatte seine ganz eigenen Vorstellungen davon, welche Pfeife zu einem Kunden paßte und lehnte es beispielsweise ab, einem Raucherneuling die von ihm gewünschte, teure Dunhill-Pfeife zu verkaufen. „Das ist die richtige Pfeife für Sie und die nehmen Sie!“ Häufig empfahl er eine Masta-Pfeife aus England zu DM 13,25. Viele Kunden halten diese erste Pfeife noch heute in Ehren.

Mitte der fünfziger Jahre übernahmen deutsche Tabakfabriken das in den USA gebräuchliche Verfahren, Geschmacksunterschiede der verschiedenen Tabakernten durch Hinzufügen künstlicher Aromastoffe auszugleichen. Damit konnten auch minderwertige Tabaksorten verarbeitet werden, denn die Aromastoffe garantierten einen gleichmäßigen Geschmack, der jedoch, wie Karl‑Heinrich Trennt stets sagte, nichts mehr mit Tabak zu tun hätte. Diese Entwicklung löste in ihm, dem Kenner und Genießer reiner Tabakwaren, schieres Entsetzen aus. Er begann, Tabaksorten allein aus verschiedenen hochwertigen Tabakblättern nach klassisch englischer Art zu mischen. So verfuhr bereits sein Vater, als er 1928 die Sorte „Abu Riha“ entwickelte. In etlichen Versuchen und ständiger Überprüfung entstand im Jahre 1961 der „TT 91“. Angeregt durch den Verkaufserfolg kreierte Karl-Heinrich Trennt in den nächsten Jahren sechs weitere Tabakmischungen: 1962 die Sorte „Tobac“; 1963 den „TK 93“, 1964 die Orientmischung „tw 64“; 1970 zum 100-jährigen Bestehen der Firma die „Jubiläums-Mischung; 1975 den „Smök mi“ und im Jahre 1978 den „78er“.

In der Hamburger Tabakfabrik Walter Wehde werden die naturreinen Tabaksorten der Firma Th. Trennt noch heute in unveränderter Rezeptur hergestellt. Beide Firmen verbindet seit den fünfziger Jahren eine intensive, vertrauensvolle und über Jahrzehnte erfolgreiche Zusammenarbeit, auch nachdem Herr Wehde seinen Betrieb am 1. Januar 1987 an die Firma Kohlhase & Kopp verkauft hat, um in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen.

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Brief eines „Kunden“ aus Evanston, Illinois, USA, der nicht wußte, daß er vom Inhaber persönlich bedient wurde. Wie man dem Brief entnehmen kann, hat sich die Abneigung Karl-Heinrich Trennts gegen aromatisierte Tabake nie geändert.

1933 erging das Gesetz, die maschinelle Fertigung in der Cigarrenindustrie einzustellen. Cigarillos und Cigarren sollten wieder in Handarbeit hergestellt werden, um damit neue Arbeitsplätze zu schaffen. Erst 1955 wurde diese Verordnung aufgehoben. Danach war der Weg für die Cigarrengroßindustrie frei. Maschinen ermöglichten es jetzt, Cigarillos wie Zigaretten zu produzieren; mit einem Umblatt unter dem Deckblatt aus gemahlenem Tabak und Bindemitteln, ähnlich der Herstellung von Spanplatten in der Holzindustrie. Das Spezialgeschäft Th. Trennt pflegte allerdings seit Jahren enge Verbindungen zu Cigarrenfabriken, die bereit waren, auch weiterhin erstklassige Cigarren und Cigarillos in Handarbeit zu fertigen. Hervorzuheben sind Paul Lungwitz mit der Brazil-Trüllerie und Fried. Erhard. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg lieferten sie Cigarren in höchster Qualität.

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Seinerzeit waren die Repräsentanten der Fabriken geschätzte und vornehme Persönlichkeiten. Sie reisten mit dem Zug an, wurden mit der Droschke vom Bahnhof abgeholt und präsentierten Ihre Ware in einer Art Privataudienz; Cigarren durften ausgiebig probiert werden. Noch heute produziert der inzwischen 91-jährige Hans Erhard hochwertige Cigarren.

Ende der fünfziger Jahre begann der Versand. Anfänglich wollten Studenten und Professoren, die Kiel aus beruflichen Gründen verlassen mußten, nicht auf die hervorragenden Tabakwaren von Trennt verzichten und ließen sich diese per Post zuschicken. Noch heute sind einige von ihnen treue und zufriedene Kunden. Ausschließlich durch Weiterempfehlungen und ohne jede Werbung entwickelte sich das Versandgeschäft. Da mit der Steigerung des Umsatzes der Arbeitsanfall immer größer wurde, bestellte sich Karl‑Heinrich Trennt zu seiner Entlastung 1966 eine kombinierte, rein mechanische Anker-Buchungsmaschine mit Kasse, die heute noch als Ladenkasse benutzt wird. Die Rechnungserstellung für die Versandkunden erleichterte ihm später eine durch Lochkarten und Lochstreifen gesteuerte IBM-Kugelkopfmaschine.

Auf den Grundstücken Brunswiker Straße 3 bis 11 planten im Jahre  1967 mehrere Gesellschaften die Errichtung eines großzügigen Terrassenhauses mit Blick auf die Kieler Förde. Dafür benötigte man auch das Grundstück der Firma Th. Trennt. Nach langen Überlegungen entschied sich Karl-Heinrich Trennt für den Verkauf, zumal Geschäftsräume im Hause seiner Frau, in der Möllingstraße 28, frei wurden. 1970 – nach dem 100‑jährigen Firmenjubiläum  –  begann der aufwendige Umbau. Sohn Jochen-Gunnar, damals noch Student der Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität Berlin, unterstützte ihn dabei tatkräftig, noch keinen Gedanken daran verschwendend, die Tradition des Geschäftes einmal selbst fortzusetzen.

Am 30. Dezember 1970 vollzog Karl-Heinrich Trennt symbolisch den Umzug, indem er sich in einer alten, vierspännigen Kutsche zu seinem neuen Geschäft fahren ließ.

Die „Kieler Nachrichten“ notierten: „Über 100 Jahre war das Spezialgeschäft für Tabakwaren von Th. Trennt in der Brunswiker Straße beheimatet. Jetzt wird sich der ‘Zigarren-Adel’ Schleswig-Holsteins und der pfeifenschmauchende Kundenkreis zum Wilhelmplatz umorientieren müssen, zum Hochparterre des Hauses Möllingstraße 28. Dort residiert fortan ‘King Trennt’ in neuen und größeren Räumen, umweht von einem Duft, wie ihn richtige Männer lieben, umgeben von edelsten Tabakproveniencen in Kisten und Dosen, gelagert und klimatisiert in formschönen Regalen aus nicht weniger edlen Hölzern. Wider Erwarten groß ist auch die Auswahl im Zigarettensortiment, dessen Päckchen Karl-Heinrich Trennt aber auch weiterhin mit der kurzen Bemerkung ‘Rauche, aber qualme nicht!’ über den Verkaufstresen reichen dürfte.“

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Den Umzug von der Brunswiker Straße Nr. 5 in die Möllingstraße 28 vollzog Karl-Heinrich Trennt am 30. Dez. 1970 in einer vierspännigen Kutsche – Foto: Stadtarchiv Kiel

1975 dachte Karl-Heinrich Trennt, inzwischen 66 Jahre alt, an einen Nachfolger. Jeden Abend rief er seinen Sohn Jochen-Gunnar in Berlin an, meldete die neuesten Umsatzzahlen und versuchte, ihm das Geschäft schmackhaft zu machen. Im Mai 1976, nach erfolgreichem Abschluß des BWL-Studiums, trat der Sohn in die Firma seines Vaters ein.

Mitte der siebziger Jahre fragten Kenner guter Cigarren wieder häufiger nach echten ‘Havanas’. Für die fachgerechte Lagerung dieser empfindlichen und teuren Cigarren ist jedoch eine konstante Umgebungstemperatur von 18 – 20 ° C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 – 80 % unumgänglich. Nur so bleiben Aroma und Geschmack erhalten. Aus diesem Grunde wurde der Einbau eines Klimaschrankes notwendig, dessen Inbetriebnahme 1977 erfolgte.

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Zino Davidoff und Jochen-Gunnar Trennt am 7. November 1979

Nach der Einrichtung eines Davidoff-Depots konnte der ‘Zigarrenpapst’ Zino Davidoff am 7. November 1979 höchstpersönlich im Geschäft begrüßt werden. Einige geladene Gäste, unter ihnen Buchhändler Eckart Cordes, Dipl.‑Ing. Harald Lindenau, Graf Thun und Dr. Karl Dieter Vitt speisten mit ihm im Kieler „Maritim“. Anschließend signierte Zino Davidoff sein „Zigarren-Brevier“ in den Geschäftsräumen.

Auf Einladung der Firma Th. Trennt demonstrierte vom 28. bis 30. September 1978 der kubanische Cigarrenmacher Federico Hernández die hohe Kunst des Cigarrenrollens in Handarbeit und weckte damit großes Interesse. Die kubanischen Cigarren werden aus ganzen Tabakblättern gerollt, während die in Deutschland hergestellten eine kurzgeschnittene Einlage enthalten.

Am 1. August 1982 starb Karl-Heinrich Trennt. Die „Kieler Nachrichten“ widmeten ihm einen Nachruf, der mit den Worten schloß: „Tschüß denn, Karl-Heinrich Trennt! Du schwebst fortan gewiß auf einer blauen Wolke – umgeben mit fein duftenden Ringelchen des Zigarren-Adels Schleswig-Holsteins und der Tabakfreunde auf Erden.“

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Jochen-Gunnar Trennt

Seitdem ist Jochen-Gunnar Trennt alleiniger Inhaber des traditionsreichen Geschäftes in der vierten Generation.

Bereits mit 16 Jahren rauchte er im Geschäft seines Vaters die erste Pfeife, später auch Cigarillos und Cigarren. Heute kann er sich zu den Kennern bester Tabakwaren zählen und die Kunden fachmännisch beraten, zumal er (fast) jede seiner Cigarren und Cigarillos probiert. Anfängern empfiehlt er nicht nur die Tabakmischung, sondern zeigt gern, wie man eine Pfeife richtig stopft, anzündet und raucht. Die Tradition, ausschließlich naturreine Tabake sowie Cigarillos und Cigarren anzubieten, wird von ihm konsequent weitergeführt. Dabei mußte er sich schon häufig anhören, „er schwimme gegen den Strom“. Ihm sind aber nicht nur die Tabakblätter in die Wiege gelegt worden, sondern auch die Beharrlichkeit, der eigenen Linie treu zu bleiben.

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Der Verkaufsraum vom Eingang aus gesehen

Eine angenehme Atmosphäre für seine Kunden und sich sind ihm ebenfalls wichtig, immerhin verbringt er einen großen Teil seiner Zeit im Geschäft.

In den letzten Jahren vervollständigte er die Geschäftseinrichtung und gestaltete die Büroräume grundlegend neu. Für die schnellere und bequemere Abwicklung aller Büroarbeiten wurde eine moderne Datenverarbeitungsanlage installiert. Er baute einen neuen, größeren und übersichtlicheren Klimaschrank und nahm neben der klassischen ‘Havana’ auch Cigarren aus dem übrigen karibischen Raum, z. B. Honduras, Jamaica und der Dominikanischen Republik, in das Sortiment auf.

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Der Verkaufsraum mit Blick auf den Klimaschrank und in das Büro

Selbstverständlich werden im Hause Th. Trennt sämtliche Cigarren und Tabake gepflegt gelagert, d. h. bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 – 80 %. In den Sommermonaten sind die Geschäftsräume zusätzlich klimatisiert. Genießer guter Tabake, Cigarren und Cigarillos wissen dieses zu schätzen.

Bedauerlicherweise vollzieht sich in der Cigarrenindustrie ein enormer Konzentrationsprozeß. Viele kleine Cigarillo- und Cigarrenhersteller mußten wegen des Kostendruckes schließen. Um den Kunden auch weiterhin erstklassige Ware anbieten zu können, vertiefte Jochen-Gunnar Trennt die Zusammenarbeit u.a. zum Familienunternehmen August Schuster in Bünde, das bereits seit 1909 Cigarrenspezialitäten herstellt.

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Büro

Ein besonderer Service sind Pfeifenreparaturen, die in eigener Werkstatt ausgeführt werden. Seit Jahren unterstützt dabei ein zuverlässiger Mitarbeiter den Firmeninhaber. Früher erledigte die Reparaturen umständlich ein Handwerker in Hamburg mit entsprechend langen Lieferzeiten und häufigen Beanstandungen. Reparaturaufträge kommen heute aus der gesamten Bundesrepublik Deutschland und nicht selten rufen Kunden an, um sich für die ausgezeichnete Qualität zu bedanken.

Weitere Mitarbeiter sind eine weibliche Teilzeitangestellte für anfallende Büroarbeiten und gelegentliche Vertretung im Ladengeschäft. Zur Vorbereitung der Buchungsarbeiten hilft eine Ultimokraft. Eine Studentin und zwei Studenten sind als Aushilfen beschäftigt. Während der Betriebsferien sorgt regelmäßig ein ehemaliger Mitarbeiter dafür, daß bei den Kunden kein „Tabaknotstand“ eintritt.

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Besprechungsraum

In der eigenen Hausdruckerei werden alle Bestell- und Informationsunterlagen für den Versand, Aufleger für eigene Cigarrensorten und sämtliche Geschäftspapiere gefertigt. Für die Entwürfe steht ein PC und zum Rastern, Vergrößern, Verkleinern sowie zum Anfertigen der Druckplatten eine Reprokamera zur Verfügung.

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Versandabteilung

Über zweitausend Versandkunden innerhalb der Bundesrepublik bestellen regelmäßig. Viele Kunden, die seit Jahren den gleichen Tabak rauchen, geben am Telefon nur noch an: „Guten Tag, Herr Trennt, wie gehabt!“

Da die meisten Versandkunden dem Bankeinzugverfahren angeschlossen sind, vollzieht sich die Bezahlung der Rechnungen vollkommen problemlos.

Lieferungen gehen aber auch in das Ausland, z. Zt. nach Brasilien, Tokio und Taipeh, Italien, Frankreich, Las Palma und Norwegen.

Einige  nette  Zufallsbegegnungen  sollten  nicht  unerwähnt  bleiben:

Mehrmals saßen sich zwei Fremde im Intercity gegenüber, die beide gleichzeitig ihren Tabak von Trennt aus der Tasche holten, um genüßlich eine Pfeife zu rauchen.

Sogar in einer Bar in Tripolis kamen zwei Kunden über den Geruch des Tabaks ins Gespräch. Es stellte sich heraus, daß sie seit Jahren den „TK 93“ rauchten.

Erst vor einigen Wochen berichtete ein Kunde, er hätte an einer Tankstelle am Chiemsee gehalten. Dem Tankwart fiel das Kieler Autokennzeichen auf. „Von dort beziehe ich meine Cigarren“, meinte dieser. Der Kieler Kunde war doch etwas erstaunt darüber, daß „seine“ Firma Trennt sogar nach Süddeutschland liefert.

Tabac Trennt versendet jedoch nicht nur per Post. Auch innerhalb Kiels werden viele Kunden mit Tabak, Cigarren und Cigarillos beliefert, darunter auch namhafte Kieler Firmen, Banken und Sparkassen.

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… und zum 125-jährigen Jubiläum glänzt der Firmenname auf einem neuen Transparent über den beiden Schaufenstern, die ebenfalls ein neues Aussehen erhalten haben.